Bewegungsformen

Bewegungsformen als Lebensweisen – Skateboarding, Tanz, Budō / Bachelor Thesis / Arthur Aschenbrenner. Bachelor Supervision: Nicolas Constantin Romanacci, University of Applied Sciences Augsburg, Faculty of Gestaltung 2014

abstract:

Bewegungsformen als Lebensweisen – Skateboarding, Tanz, Budō

Darstellung von Bewegung und Raumwahrnehmung eines Skateboarders

Bewegung, Disziplin, Ausdauer, Kraft, Mut, Konzentration, Schmerz. Dies sind einige Begriffe, die Aspekte des Skateboardings beschreiben. Die Auseinandersetzung mit Körper und Geist. Man stößt an seine Grenzen und erweitert diese immer wieder aufs Neue. Es entwickelt sich eine Lebenshaltung, welche die Wahrnehmung des Selbst und seiner Umgebung schult. Das Skateboard als Tanzpartner. Der Skateplatz als Dōjō. Treppengeländer, Stufen, Betonblöcke, Laderampen als Herausforderung. Das ist Budō. Ich möchte mit meiner Arbeit einen Einblick in diese Welt gewähren.

Arthur Aschenbrenner

Arthur Aschenbrenner, »Was ist Budō? 武 道« (Auszug aus der Thesis)

Bu 武
Zusammengesetzt aus den Zeichen 戈 (Speer) und 止 (Stoppen), in mancher Hinsicht wird es gedeutet mit ›eine Waffe aufhalten‹, oder ›Gewalt stoppen‹. Diese Silbe findet sich in zahlreichen japanischen Wörtern wieder, die sich in irgendeiner Weise inhaltlich mit ›kriegerischem“‹ (martial arts) befassen. Jedoch ist die westliche Auslegung und Übersetzung eine völlig andere als die Intention östlicher Kulturen, welche sich akkurater mit ›Friedensbringer‹ übersetzen ließe. Die Ausübung diverser ›Kampfsportarten‹ sind aus der Sicht asiatischer Kulturen als Mittel zu verstehen, die Gewalt zu beenden und Frieden zu bewahren, nicht enthusiastisch zu kämpfen.

Do 道
Zusammengesetzt aus den Zeichen ⻌ (Weg, Straße, Weise) und 首 (Kopf, Führer, Gedicht) bezeichnet do das japanische Wort für Weg, Pfad, Lehre, Philosophie, Prinzip, Methode, etc.

Zu den Bildserien (Textauszüge der Thesis von Arthur Aschenbrenner):

Plakatserie Tanzschritte (Bild 1-3)
Mit dieser Plakatreihe stelle ich die Bewegung der Füße bei verschiedenen Tricks dar. Sie sollen den Eindruck von Tanzschritten erwecken. In diesen Beispielen werden auch nur grundlegende Basics aufgegriffen um es einfach und klar zu halten. Kompositorisch sind die Skateboards zentral platziert. Die grafischen Linien sollen in dem Fall keine exakte Anleitung zu bestimmten Tricks sein, sondern eine ungefähre Angabe der Fußbewegung aufzeigen. Tricks: Flip, Air, Grind

Plakatserie Skateplatz (Bild 4-6)
Diese Plakatserie stellt drei Aspekte des Skateboardens auf dem Skateplatz dar. Der Skateplatz spielt eine wichtige Rolle für den Skateboarder. Zum einen ist es offiziell nur auf diesen Plätzen legal sich auf seinem Board auszuleben. Zum Anderen ist es ein Ort der größtenteils Situationen simuliert, die für gewöhnlich in Städten zu finden sind, und den Übenden für diese trainiert. In diesem Sinne habe ich den Skateplatz als Dōjō interpretiert, als Ort der Konzentration, Meditation und Austausch von Gleichgesinnten.

Die Serie ist von der Optik stark Idealisiert und symmetrisch aufgebaut. Es gibt nur das Hindernis (Table, Half-Pipe und Geländer), und den Himmel. Die abgebildeten Formen sind Bewegungslinien von Skateboards die nach Oben (dem Himmel) streben aber ohne Ausnahme wieder auf den Boden
zurückführen. Erstellt wurden diese in Cinema 4d. Dabei habe ich die Bewegungsabläufe des Skateboards animiert und die Spuren, wie bei Langzeitbelichtungen, verfolgen und nachzeichnen lassen.

Fotoserie
Als dritten Teil meiner Arbeit habe ich mich in Augsburg auf den Weg gemacht und Skatespots fotografiert. Mit einigen Insidertipps von Leuten aus der Augsburger Skateszene hat es mich an zu den abgebildeten Orten geführt. Die Bilder sind in ihrer jeweiligen Komposition aneinander angepasst und sollten in Dreier-Reihen betrachtet werden wie hier auch angeordnet. Durch aufgreifende Linien im Raum soll der Blick sich nicht auf einem Motiv verharren, sondern von Ort zu Ort wandern. Da die Plakate unbedingt im Zusammenhang mit den Fotos gesehen werden sollten, erhoffe ich mir bei den Betrachtern die Vorstellung grafischer Bewegungslinien bei der Fotoserie, um ihnen das Gefühl zu vermitteln, wie sich ein Skateboarder beim wandern durch die Stadt, mit seinem Skateboard unter dem Arm, ansieht und auf der Suche nach Herausforderungen ist.

coda

Above: Nicolas Constantin, Dropin, (first time ever after getting my new board from the best, Ben Ali, in his wonderful Dōjō, the »BlueBox«, unfortunately closed now). Image Nr.2 has been made at the very place of the Dropin.

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