»to open minds«

Interaktionen wollen wir in verschiedener Hinsicht untersuchen. Ausgehend von Josef Albers‘ Untersuchung »Interaction of Color«, einer experimentellen Methode, das Phänomen Farbe – wie es uns in der Wahrnehmung erscheint (im ausdrücklichen Gegensatz zum Ausgang von theoretischen Farbmodellen) – zu studieren, werden wir uns, im Zusammenhang damit, mit der Interaktion von Flächen und Motiven beschäftigen, ganz speziell mit dem Aspekt Ambiguität: mit dem Ausdruck der Interaktion von sich widersprechenden Interpretationsmöglichkeiten. Auf Basis dieser handwerklich-systematischen und künstlerisch-experimentellen, methodischen Herangehensweise, wollen wir freie Gestaltungsprojekte entwickeln, die dann weit über die gestalterische Grundlagenforschung hinausgehen sollen, mit dem Ziel, ein differenzierteres und aufgeschlossenes Verständnis der Wirklichkeit durch unsere Arbeiten anzuregen, beim denkbaren Werkbetrachter und bei uns selbst.

Albers, hinsichtlich des Zieles seiner Lehre befragt, antwortete: »to open eyes«, des weiteren betonte er: »I have not taught art. Instead of art I have taught philosophy. Though technique for me is a big word, I never have taught how to paint. All my doing was to make people to see.« (Albers 1968) In unserer freien, künstlerischen Arbeit, wollen wir darüber nachdenken, in wie weit Gestaltung interagieren kann mit philosophischer Refl exion, da beide Künste uns lehren können, die Welt und uns selbst mit anderen Augen zu sehen, der Welt staunend zu begegnen, im Sinne von: »to open minds«. Dazu werden wir uns im Besonderen mit den philosophischen Untersuchungen von Ludwig Wittgenstein beschäftigen, der auch parallel ein Gestalter mit höchsten Ansprüchen war, und der selbst die Interaktion von Philosophie, Gestaltung und Selbstverständnis eindrucksvoll beschrieben hat:

»Die Arbeit an der Philosophie ist – wie vielfach die Arbeit in der (Gestaltung) – eigentlich mehr die Arbeit an Einem selbst. An der eignen Auffassung. Daran, wie man die Dinge sieht.« (VB 472)